Die Kunst der Fuge
bildet die Grundlage eines erlebbaren Raums zwischen historischem Bestand und Erweiterungsneubau.
Die Fassade des Neubaus schwingt sich in einem großen Bogen um den historischen Bestand und bietet ihm so eine angemessene Bühne.
Bewegung um den Bestand
Die Anbindung an den Bestand, die Anforderungen an die Funktionen, der bestehende Sockel und die räumlichen Abhängigkeiten bilden die Basis des architektonischen Konzeptes. Bei dem historischen Bestand handelt es sich um eine am Domplatz um einen Innenhof gruppierte Gebäudeanlage. Die geschwungene Fassade des Neubaus rahmt den Bestand und erzeugt in der Außenwirkung eine kleine, angemessene Fuge. Hierdurch wird der Eindruck einer neuen Adresse oder eines Eingangs entlang des Domplatzes vermieden. Über den Zwischenraum wird die historische Fassade vollständig sichtbar gemacht und erhält ihre ursprüngliche Wirkung. Die Oberkante der Attika der Erweiterung liegt deutlich unterhalb der Traufe der historischen Vierflügelanlage. Durch den klaren Baukörper und die unaufgeregte Fassade ordnet sich der Erweiterungsbau unter und lässt die bauhistorischen Epochen klar ablesbar werden.
Der kompakte Baukörper und die sparsam geöffnete Fassade lassen eine wirtschaftliche Hybridbauweise zu. Die Vorfabrikation ermöglicht mit der konsequenten Rasterung und Repetition eine schnelle, ökologische und kostenoptimierte Bauweise.
Auch wenn der neue Baukörper nur sparsam von Öffnungen durchbrochen ist, wirkt die mural geprägte Fassade klar rhythmisiert: Vor- und zurückspringende Ziegelschichten betonen die Horizontalität und erzeugen eine Reliefstruktur, die durch den Wechsel von einem dunkleren zu einem helleren Farbton der Backsteine nach oben hin leichter erscheint. Mit Fries, Sockel und Wand gelingt eine nachgerade klassische, die Geschosseinteilung verwischende Gliederung der Fassade. Richtung Südosten wird die Fassade mit einem LED-Fassadenelement ausgestattet. Zukünftig kann über dieses Element das Museumsprogramm weithin sichtbar vorgestellt werden.
Der Haupteingang des Historischen Museums der Pfalz wird nicht verändert. Er bleibt bestehen und bildet weiterhin mit seinen zwei Rundtürmen den Auftakt und die Adresse. Über den Bestand mit seinen vielfältigen Ausstellungen und Räumen gelangen Besucher auf gleicher Ebene in die „Fuge“, die als Zwischenraum den Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart spannt. Die Bodenplatte in der Fuge wird abgesenkt, um in diesem Bereich die Bestandsfassade wieder sichtbar zu machen und eine klare Erschließung ohne zusätzliche Rampen zu ermöglichen. Dank des verglasten Raumes bleibt der Blick auf die historische Fassade bestehen. Über eine zentrale, in Analogie an den Bestand angeordnete Treppe, oder den Aufzug gelangen Besucher in die Untergeschosse und das Erdgeschoss. Im „1. Untergeschoss“ befinden sich das Museumscafé und die natürlich belichteten Räume des „jungen Museums“. Das Café ist gut auffindbar in den Museumsrundgang eingefügt und bietet mit seiner großzügigen Loggia Raum für Bewirtschaftung im Außenbereich. Über einen Außenzugang kann das Museumscafé unabhängig von den Öffnungszeiten des Museums betrieben werden. Der neue Eingang des Cafés wird im Bereich der ehemaligen Bestandtreppe vorgesehen und durch ein Flutschutztor ergänzt.
Im „Erdgeschoss“ befindet sich der große, sechs Meter hohe Raum für Sonderausstellungen. Nach Nordosten ist er mit einem großen Fenster versehen, das einen Blick auf den Domgarten und den „Dom zu Speyer“ zulässt. Diese große Öffnung kann je nach Sonderausstellung über Sonnenschutz-Faltläden vollständig geschlossen werden. Im „2. Untergeschoss“ werden die Ausstellung „Junges Museum“, der Vortragsraum, Lager- und Depoträume, sowie der großzügige Servicebereich im Übergang zum Bestandsgebäude platziert. Im „3. Untergeschoss“ befinden sich neben den bestehenden Technikflächen das Ausstellungslager und die Werkstätten.
Auslober: Historisches Museum Pfalz
Renderings: hks architekten BDA