Bundesamt für Strahlenschutz
Berlin, DE
Forschung, Verwaltung

Bundesamt für Strahlenschutz, Neubau Ersatzgebäude K12 
Der Neubau des Bundesamts für Strahlenschutz vereint eine markante architektonische Identität mit einer klar strukturierten Organisation der Arbeitsbereiche. Kommunikationsfördernde Räume, flexible Nutzungsmöglichkeiten und der behutsame Umgang mit dem vorhandenen Baumbestand prägen das Entwurfskonzept.

Grundkonzept 

 

Ziel des Entwurfs war es, die Entwicklung eines prägnanten, identitätsstiftenden Neubaus mit hoher Aufenthaltsqualität, der den Standort stärkt und sich klar in den Bestand einfügt. Die Architektur wurde bewusst unverwechselbar, jedoch ohne formale Übertreibungen oder unangemessene Materialität gestaltet.
Die markante, gerundete Y-Form mit zentralem Atrium definierte sowohl das Gebäudezentrum als auch einen neuen Mittelpunkt der Liegenschaft.

Adressbildung
Baumbestand
Funktionen
Freiräume
Grundriss Erdgeschoss

Flexible Bürostrukturen und Nutzungsformen 

 

Im Erdgeschoss ordneten sich die zentralen Funktionen – Werkstätten, Bibliothek und Konferenzbereiche – um dieses Atrium, das Kommunikation, Orientierung und kurze Wege förderte. Das Foyer öffnete sich zum Vorplatz und bezog den wertvollen Baumbestand ein. Die Gebäudeform reagierte auf den Kontext: Sie ermöglichte den Erhalt der vorhandenen Vegetation und schuf zugleich einen geschützten Betriebshof. Funktionale Bereiche wie Werkstätten, Büros und Nebenbauten wurden klar strukturiert und effizient organisiert.
Ein modularer, zweibündiger Grundriss gewährleistete flexible Bürostrukturen mit unterschiedlichen Raumgrößen und Nutzungsformen.

Durch variierende Gebäudetiefen entstand ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Kombi-, Großraum- und Einzelbüros.
Damit wurden zentrale Anforderungen moderner Arbeitswelten umgesetzt: flexible Raumstrukturen, Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Arbeitsformen sowie die Möglichkeit zur Kombination von konzentriertem Arbeiten und kommunikativen Zonen. Gleichzeitig wird ein wirtschaftlich effizienter und langfristig wandelbarer Gebäudebetrieb gewährleistet.

Grundriss 2. Obergeschoss

Nachhaltige Gebäudekonzeption 

 

Auskragende Deckenelemente dienten als konstruktiver Sonnenschutz und reduzierten Wartungsaufwand. Ergänzt durch effiziente Licht- und Sonnenschutzsysteme entstand ein nachhaltiges und komfortables Arbeitsumfeld. Die offene Skelettbauweise sowie langlebige, nachhaltige Materialien ermöglichten eine hohe  Anpassungsfähigkeit und langfristige Nutzung.
Gute Arbeitsbedingungen wurden durch flexible Raumaufteilung, angenehme Akustik, natürliche Belichtung und Lüftung erreicht.

Auskragende Deckenelemente als konstruktiver Sonnenschutz
Natürliche Belichtung -
Tageslicht als Gestaltungselement

BIM Pilotprojekt und BNB Zertifizierung 

 

Das Gebäude wurde nach dem BNB-Standard in Silber zertifiziert und im Rahmen eines BIM-Pilotprojekts realisiert. Vorrangiges Ziel des Pilotprojekts war es, den Mehrwert der BIM-Methodik im Projekt zu erproben und sämtliche Planungsphasen einschließlich der Qualitätssicherung durch modellbasierte Kollisionsprüfungen digital zu begleiten. Darüber hinaus wurden einheitliche Standards für die Klassifizierung und Attribuierung von Bestandsmodellen entwickelt sowie die Weiternutzung der koordinierten Modelldaten für Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung, Bauablaufsimulation, den Gebäudebetrieb und die Erstellung eines BfR-konformen As-built-Modells untersucht.

Herausforderungen bei der Modellierung

 

Runde Geometrien

Runde Bauteile und gebogenes Glas erforderten einen erhöhten Modellierungsaufwand. Die Auflösung von Kreisen in Polygone beeinflusst Objektfang, Referenzierung und Bemaßung und erschwert die präzise Modellierung.

 

Doppelt gekrümmte Fertigteile

Die auskragenden Betonfertigteile mit doppelt gekrümmten Schalen und Abtropfkante konnten nur durch individuelle Modellierungsansätze präzise umgesetzt werden.

 

Geneigte Oberlichter
Das geneigte Oberlicht aus Dreiecksgeometrien stellte aufgrund seiner komplexen Geometrie besondere Anforderungen an Modellierung und Koordination.

Gebogene Glasscheiben 
Zweifach gekrümmte Schalen
Oberlicht aus Dreiecksgeometrien
Organische Raumformen und natürliches Licht im Innenraum
Holz als prägendes Gestaltungselement
Zentrales Atrium mit natürlicher Belichtung
Offene Arbeitswelten mit flexiblen Nutzungsstrukturen

hks architekten BDA

 

1. Preis in einem 2-phasig offenen Realisierungswettbewerb

 

Zertifizierung nach BNB LN2014 silber
BIM-Pilotprojekt

Bauherr: Bundesanstalt für Immobilien
vertreten durch Bundesamt für Bauwesen &
Raumordnung
Leistungen: Gebäudeplanung LPH 1-9
Planungszeit: 05/2015 – 12/2017
Bauzeit: 08/2022 – 12/2025
Bruttorauminhalt (BRI): 20.626m³
Bruttogeschossfläche (BGF): 5.625m²
Bau KG 300-400 (brutto): 9,7 Mio. €

 

Projektleitung:

Andreas Kieser

 

Projektteam:
Anja Schnurr

Sebastian Plötner
Tilman Jarmer
Martin Werner

Manuel Amor

 

Fotos: Steven Neukirch

„Eine prägnante Gebäudefigur und ein offenes Raumkonzept bilden die Grundlage des Entwurfs für den Neubau des Bundesamts für Strahlenschutz. Das zentrale Atrium stärkt den Austausch innerhalb des Hauses, während die Gebäudeform den sensiblen Erhalt des bestehenden Landschaftsraums ermöglicht.“

 

Andreas Kieser

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